Neues Buch: Renate Herrling – JudenhausTöchter

Renate Herrling erzählt in ihrem autobiographischen Roman „JudenHausTöchter“ die Geschichte eines Hauses, das seit Generationen einer jüdischen Familie gehörte. Es steht in einem Dorf in der Pfalz, in einer Straße, die 1933 in Adolf-Hitler- Straße umbenannt wurde. Die jüdische Besitzer dachten nicht an Verkauf, doch als das Haus zwangsversteigert wurde, konnten es die Nachbarn für einen Spottpreis erwerben.

Das Haus wurde schließlich geräumt, und die neuen Besitzer zogen mit ihren beiden Töchtern ins ehemalige Judenhaus um. Wohin die Juden gingen, wusste keiner, weil es keiner wissen wollte. In der Nachkriegszeit eröffnete die inzwischen verwitwete Mutter ein eigenes Geschäft. Zuerst eine Wäscherei mit Vorhangspannerei , dann ein Kolonialwarengeschäft. Das Haus blieb im Besitz der Familie, daran änderte auch der Restitutionsprozeß nichts, der mit einer Wiedergutmachungszahlung an die Söhne der ehemaligen Besitzer, die nach Palästina auswandern konnten, endete.

Renate Herrling erzählt aus der Perspektive ihres Alter Egos, der Enkeltocher Regine. Ihre Erinnerungen machen sich an vielen kleinen Geschichten fest, in denen sie den Zeitraum von 1933 bis heute in den Blick nimmt. Die kurzen Texte, alle mit pointierten Überschriften versehen, die neugierig machen, entwickeln einen Sog, der die Leserin immer mehr in das Geschehen hineinzieht. Herrlings Sprache ist einfach, eindringlich und zuweilen voller lyrische Ausdruckskraft. Die Sätze treffen die Leserin wie ein Blitz des Wiedererkennens, denn Herrling erzählt nicht nur die Geschichte ihrer Familie und ihre eigene – sie entfaltet vielmehr ein Panorama des Alltagslebens in einem pfälzischen Dorf der 1950er und 60er Jahre bis heute.

Beitrag von Heide-Marie Lauterer (mehr auf ihrer Website)