Elfis Herbstgedicht

Matthias Raden

Ich war noch keine 10
Er war schon älter, das war schön.
Er pflückte für mich blaue Anemonen.
Einst wird er unter ihnen wohnen!

Nun bin ich gut 10 Jahre älter.
Die Tage werden merklich kälter.
Ich hör’ die Stones, ihr„gimme shelter“.
Ich liebe Gudrun, mailt er.

Ach, bleib mir doch gestohlen!
Soldaten in der Ferne johlen.
Sie ziehen in den Krieg nach Kasachstan.
Und dreimal kräht der Hahn.

Ich werd’ das Jagdgewehrschnell holen. Hart!
Ich hab’ noch nie so gern geschossen.
Dann stirbt das Tier, es starrt
gequält, ein Aug’ nicht ganz geschlossen.

Die Waffe riecht nach grünem Schimmel und nach Rost
10 Jahre lag sie in der Truhe gut verborgen.
An diesem strahlend neuen Morgen
bring’ ich den schwarzen Brief zur Post.

Er geht an Gudrun. Der abgetrennte Hahnenfuß
wird mich rächen, (m)ein letzter Gruß!

Und er, ihr Lover, fällt aus allen Wolken, grau
die Augen, aufgerissen, der Himmel kaltes Blau!
Ich hab’ da nachgeholfen! Vom Fliegen
träumte er, die Höhenangst besiegen!

Ein Fenster steht gefährlich offen,
ist kaum zu sehen – so weit oben.
Wer wollte da noch fallend hoffen,
und Gottes Güte loben?

Aus seiner bleichen Stirn
quillt löffelweise rosa Hirn.
Mein Gott, staunt Dr. Rönne, was ist da alles drin!

Ein zweites Auge bricht.
Jetzt, endlich, ist er hin.

Es werde Licht!